Wappen von Rüdigershagen Das Eichsfeld
Zeittafel des Eichsfeld und Rüdigershagen
Auswanderungen aus Rüdigershagen
Die Hagen'schen Fickelhändler
Der Gesangsverein von Rüdigershagen
Jüdische Gemeinde
Die Obermühle

Rüdigershagen war anfangs ein Burgsitz mit zwei Schlössern, die dicht an der ehemaligen Handelsstraße Duderstadt-Mühlhausen lagen. Der Ort - wie auch sein Name - sind eng mit dem adligen Geschlecht derer von Hagen verbunden. In alter Zeit variieren Orts- und Familiennamen von Hain, Hayn bis zum lateinischen Indagine. Die möglicherweise erste Erwähnung des Ortes findet sich in einer Urkunde vom 31.12.1273. Hierin bezeugt Herzog Albrecht von Braunschweig, daß Burchard von Bodungen, "castellanus noster Indagine" - unser Burgmann in Hagen - einen Verkauf getätigt hat. Urkundlich werden Unterwall und Oberwall genannt. Um 1300 besaßen die zwei Brüder, Theodor und Heinrich von Hagen die Burgen. Beide Burgsitze wurden 1315 durch Mühlhausener Bürger zerstört. Offenbar wurde nur der Unterwall später wieder aufgebaut. Im Jahre 1370 übernahmen dann die Brüder Heinrich und Rüdiger von Hagen den Burgsitz. Rüdiger hatte die meisten Anrechte und gab dem Dorf seinen heutigen Namen. 1376 ging Rüdigershagen durch einen Verkauf (mit 9 Hufen Landes und 9 Dienstleuten) an Hartwig von Knorr, von denen es Christoph vom Hagen zu Deuna löste den Unterwall 1544 wieder für seinen Sohn Hans einlöste An Stelle der unteren Burg (Unterwall) wird 1590 das neue Rittergut durch Hans vom Hagen errichtet..

Rüdigershagen von der Straße nach Niederorschel aus

Das Handelswesen und Wandergewerbe, das die Rüdigershagener schon früh in ganz Deutschland bekannt machte, ist durch die Juden entstanden, die u.a. als Hausierer Schwämme, Felle und Webwaren verkauften. Später entwickelte sich daraus der Schweinehandel, dem der Ort einen großen wirtschaftlichen Aufschwung zu verdanken hatte und die meisten Viehhändler (Fickeltreiber) zu wohlhabenden und angesehenen Leuten machte.

Das Wappen (einst Siegelbild der Hagen'schen Ritter) zeigt auf silbernem Grund einen grünen Berg mit einer belaubten Buche. Deren Stamm trägt einen silbernen Wappenschild mit den schwarzen Wolfsangeln aus dem alten Hagenschen Wappen. In den Berg ist ein rechtsspringendes Ferkel eingelegt. Die Buche weist auf die Buchenbestände in der unmittelbaren Umgebung des Dorfes hin.

"Ausführliche geographisch-statistisch-topographische Beschreibung des Regierungsbezirkes Erfurt "
von Carl August Noback , Erfurt 1840, p 207
Rüdigershagen
Die Grundherrschaft hat der Graf vom Hagen und über 11 Häuser der Fürst von Schwarzburg-Sondershausen, hat 1 ev. Pfarrkirche (v. Hagen'schen Patronat's), 1 Schule mit 1 Lehrer (81 Knaben, 66 Mädchen), 755 ev., 4 kath. Einwohner und 75 Juden, 158 Wohnhäuser und 167 Ställe und Scheunen, 4 Gemeindehäuser, 2 Mühlen, die eine mit 1 Mahlgange im Dorfe, die andere , die Neu-Mühle mit 1 Mahlgange (1H., 5 E.) 1/4 St gen N., im Dorfe sind 2 Schankwirthe, 2 Krüge, 7 Victualienhändler, 1 Bäcker, 2 Fleischer, 2 Schumacher, 3 Schneider, 3 Tischler, 1 Drechsler, 2 Grobschmiede, 2 Hausschlächter, 1 Barbier, 60 Fellhändler, 2 Baumwollen-, 6 Leinwebe.-Stühle, 7 Knechte, 9 Mägde, 1 Rittergut.
Die Flur hält 2464 3/16 Morgen (1717 9/16 Arthl., 18 Gartenl., 32 9/16 Wiesen, 75 Weiden, 550 Waldung (53 Gemeinde-, 497 Privatwaldung), 71 1/16 Wüstland).
Rüdigershagen liegt auf dem Düngebirge an der Grenze der Muschelkalk- und bunten Sandsteinformation. Die Ackerkrume ist ¼ sandiger Lehm, ¼ schwarzer, mit Hasselerde gemischter Boden, 1/4 Kleiboden von schlechter Beschaffenheit, Dreifelderwirtschaft mit besömmerter Brache. Ertrag ziemlich ansehnlich, Wiesen wenig erträglich. Auf dem adelichen Guthe werden 130 Rindvieh u. 450-500 Schafe geweidet. Etwas Gartengewächs und zieml. Obstbau, der jedoch wegen der hohen nördlichen Lage nicht gedeiht, da das Obst nicht die gehörige Reife erlangt, sondern säuerlich bleibt.Von der Holzung (Mittewald) besitzt die gemeinde, die Pfarrei und der Fürst von Schwarzburg-Sondershausen den kleinen Teil; den größten Theil, gegen 400 Morgen,der Graf von Hagen.

Viehstand : 34 Pferde, 140 Rindvieh, 460 halbveredelte Schafe, 42 Ziegen, 20 Schweine, ziemliche Gänsezucht.
[handschriftlicher Auszug von Herrn Edgar Rademacher/Hüppstedt vom April 1987]
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Das Eichsfeld

Wappen von Eichsfeld

Das Eichsfeld- ein reizvoller und malerischer Landstrich im Nordwesten des Landes Thüringen. Zwischen dem Harz, dem Hessischen Bergland und dem Thüringer Wald erstreckt sich ein von Tälern durchfurchtes Hügelland. Neben Leine und Unstrut, deren Quellen sich hier befinden, schlängeln sich die Flüsse Werra, Wipper und Hahle durch die bergige Landschaft. Das flachere Untereichsfeld ist dem bergigen Obereichsfeld vorgelagert, dessen Gebirgszüge Höhen über 500m erreichen.

Erste dokumentierte Erwähnung des Eichsfeld

Der Name "Eichsfeld" ist der Name einer Landschaft. Im Jahre 897 erstmals als "pago Eichsfelden" erwähnt, taucht  950 die Bezeichnung "in pago Aikesfelt" und 1022 "in pago vero Eichesuelt" auf. Weitere unterschiedliche Schreibweisen sind später feststellbar, z.B. 1303 Eichsfeldia oder 1436 Eyßfelde. Die heimatgeschichtliche Forschung sah im Namen "Eichsfeld" ein "Eichenfeld" oder" das Feld eines Aiko oder Eiko". Mehrere Forscher versuchten sich an einer eindeutigen Klärung. Die bevorzugte Deutung ist eine Ableitung von einem "Eichenfeld", zumal die Eiche in der Flurnamensgebung des Eichsfeldes sehr häufig vorkommt. Weniger durchgesetzt hat sich die Ableitung von einem Eigennamen oder die von einer Ortschaft ("Eichisa" - Unstrutbereich). Immer wieder neu belebt werden Deutungsversuche von "Eysfeld" oder "Eyßfeld" als Hinweis auf ein Gebiet mit rauhem, eisigen Klima. Dabei werden jedoch nicht klimatische Bezüge, sondern lediglich Lautverschiebungen ursächlich sein. (aus "ch" wurde "s" oder teilweise "ss" - z.B. Ochse mundartlich "Osse")

"... ut quasdom res de beneficio ipsius Chunradi in pago Eichesfelden ... ob hoc acciperet".

Diese Worte gehören zu einer Erklärung, mit der Kaiser Arnolf zu Regensburg am 28. Januar 897 einen Tausch der im Eichsfeldgau gelegenen Lehngüter des fränkischen Grafen Kunrad mit denen des Abtes Huki von Fulda in Engern und Hessen bestätigte. Der Text ist Teil der ersten dokumentierten Erwähnung. Der Eichsfeldgau ist vermutlich schon im 7.Jahrhundert entstanden. Dies geschah, als Bonifatius nach Thüringen kam, der Legende nach ebenfalls auf den Hülfensberg, um heidnische Stämme zu remissionieren. Einige Geschichtsforscher, meinen der Name Eichsfeld rühre von der ausgedehnten Eichenwäldern her, die in der Ursprungsregion um Dingelstädt vorhanden waren. Andere glaubten, eine mythische Person (Aiko) oder ein Fluß (Eicsia) sei namensgebend gewesen.

Wappenbeschreibung (genauer Wortlaut der amtlichen Beschreibung):
Im Wappen des Landkreises Eichsfeld erkennen wir den roten, goldbewehrten Adler auf silbernem Grund, auf der Brust das sechsspeichige Rad. Das sechsspeichige silberne Rad auf rotem Grund erinnert an die Jahrhunderte lange politische und kirchliche Zugehörigkeit zum Erzstift Mainz. Der rote Adler sagt uns, dass das Eichsfeld 1801/03 preußisch wurde und dass sein Wappen von 1817 bis 1873 im preußischen Wappen vertreten war.

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Zeittafel des Eichsfeld und Rüdigershagen

[Eichsfeld: Grundlage Prof. Schneiderwirth]
ca. 3000 v.Chr.
Erste nachweisbare Besiedlung (Bandkeramiker)
ca. 1800 v.Chr.
keltische Bevölkerung (Bronze und Eisenzeit)
ca. 500 v. Chr.
Besiedlung durch thüringische Volksstämme  (Völkerwanderung)
531
Die Merowinger zerschlagen das Thüringer Reich, fränkische Herrschaft,
erste Reichshöfe, Beginn der Christianisierung
814
Die Einführung des Christentums auf dem Gebiet des Eichsfeldes kann als abgeschlossen angesehen werden;
  Pfarrkirchen in Heiligenstadt, Duderstadt, Gieboldehausen sind als die ältesten zu betrachten.
897
Das Eichsfeld wird erstmals urkundlich erwähnt. Es besteht aus 6 Gauen: Gau Eichsfeld - Westgau -  Gau Germark - Gau Ohmfeld - Mark Duderstadt - Bisgau 
Das Gebiet wird von 3 Volksstämmen, den Thüringern, Sachsen und Slawen bewohnt
897
Otto, wahrscheinlich Otto der Erlauchte Gaugraf des Eichsfeldes.
973
Kaiser Otto II. stellt in Heiligenstadt am 23. November eine Urkunde für das Bistum Freising aus.
990
Otto III. unterzeichnet ebenda am 20. Januar zwei Urkunden, welche Schenkungen an das Kloster Hilwardshausen an der Weser unweit Münden betreffend
993
am 15. Januar erteilt hier der Erzbischof Willigis von Mainz dem hl. Bernward von Hildesheim und im Jahre 1000 Burkhard von Worms die Bischofsweihe.
1022
Am 9. Dezember stellt Heinrich IV. in der Burg Grone bei Göttingen einen Schenkungsbrief  für das Martinstift zu Heiligenstadt aus, in welchem demselben eine Hufe Landes und zwei Höfe im Dorfe Geislaha - Geisleden - geschenkt werden.
1070
Die Burg Hanstein, damals im Besitze des Grafen Otto von Nottheim, eines Gegners von Heinrich IV., wird durch diesen Kaiser völlig verwüstet.
1074
Die Hasenburg bei Neustadt wird von aufrührerischen Sachsen zerstört, aber 1075 von Heinrich IV. wieder hergestellt.
1093
Erzbischof Ruthard von Mainz hält in Heiligenstadt eine Synode ab, an der Bischöfe, Äbte, Pröpste, Grafen und Edle teilnehmen.
1108
schenkt der Erzbischof der Kirche zu Heiligenstadt für sein Seelenheil 5 Kirchen, unter diesen die Kirche zu Uder.
1153
Kaiser Friedrich Barbarossa nimmt ebenda am 29. Mai Schenkung an das Kloster Fredelsloh vor.
1164
Kaiser Barbarossa läßt, um sich an dem Erzbischof Konrad von Mainz, seinem Gegner, zu rächen, das Schloß Rusteberg durch den Landgrafen Ludwig von Thüringen verwüsten; jedoch wurde dasselbe sofort wieder aufgebaut und blieb auch in der Folgezeit die Residenz der kurfürstlichen Vicedomini.
1169
Kaiser Barbarossa (Friedrich I.) besucht Heiligenstadt zum zweiten Mal und beurkundet daselbst am 20. Jan.  dem Kloster Bolling in Oberbayern die Rückerstattung eines Gutes.
1270
Ersterwähnung von Rüdigershagen -> Hauptstaatsarchiv Hannover Cal.Br.Des100 Kattenburg Nr. 22
1525
Heiligenstadt und das Eichsfeld leiden schwer infolge des Bauernkrieges. Thomas Müntzer und Heinrich Pfeiler, ein aus dem Kloster Reifenstein kommender Mönch, sind die Anführer. Die eichsfeldischen Bauern nehmen Anteil. Die Klöster Anrode und Zella, die adeligen Höfe zu Diedorf und Katharinenberg, das Kloster Reifenstein, für welches Michael Zimmermann aus dem benachbarten Kleinbartloff das Feuer heranholt, zu Worbis, Beuern, Teistungenburg, Gerode, die kurfürstlichen hlösser Scharfenstein und Harburg: sie alle werden verwüstet, ausgeplündert und verbrannt. So wird die Harburg bei Hainrode, bereits 1164 auf Befehl Kaiser Friedrich I. zerstört, weil der Erzbischof Konrad es mit den Gegnern des Kaisers hielt, dann 1246 wieder aufgebaut, nunmehr ein Trümmerhaufen, deren letzte Reste zu anderweitigen Bauten verwandt werden sollen. Nicht weniger als 70 Klöster in Thüringen und Umgegend fallen den Empörern zum Opfer, ohne die zahlreichen Adelssitze. Thomas Müntzer predigt neben der Liebfrauenkirche in Heiligenstadt unter freiem Himmel, da die Kirche die Menge der Zuhörer nicht fassen kann. Der Erfolg seiner gegen Adel und Geistlichkeit gerichteten Predigt ist, daß sich in Heiligenstadt ein furchtbarer Aufstand erhebt, die Wohnung der Stiftsgeistlichen erstürmt, verwüstet, die Kirchen geplündert werden.
1558, 1581, 1597, 1611, 1626 
Das gesamte Eichsfeld, Stadt und Land, wird von Hungerjahren, Teuerung und Pest fürchterlich heimgesucht. 1611 werden in Heiligenstadt 600 Menschen, in Duderstadt im Jahre 1626 gegen 2000 von der Pest hingerafft.
1592
Bau des Gutes Rüdigershagen
1618-1648
Das Eichsfeld wird durch den Dreißigjährigen Krieg fast zur Wüste gemacht.
1623
Herzog Christian von Braunschweig läßt das Kloster Gerade und das Dorf Lüderode abbrennen
1626
Der Herzog läßt weitere siebzehn eichsfeldische Dörfer verbrennen und für 20 000 Thlr. Vieh von da wegtreiben.
1632
im Monat Juni und Juli von Mühlhäusern, besonders von Weimaranern das Dorf Struth, Faulungen, Bickenriede, das Kloster Anrode, in Dingelstädt die Häuser an der langen Gasse von der Schenke an, die Ortschaften Helmsdorf, Zella, Kefferhausen, Küllstedt, Wachstedt, Gernrode, Martinfeld, Silberhausen zum größten Teil und das Rathaus zu Worbis ausgeraubt, geplündert und niedergebrannt. Besonders häufig sind die Durchzüge der Schweden, bei denen es ohne Verwüstungen nicht abgeht.
1680-1682
Bau der ersten Schule in Rüdigershagen
1682
Die Pest, angeblich durch einen Lederhändler von der Leipziger Messe eingeschleppt, wieder auf dem Eichsfeld. Sie wütet besonders in 21 Ortschaften des Eichsfeldes. In Duderstadt allein sterben gegen 700 Menschen, in Worbis 453. Von Mühlhausen aus hält die Seuche ihren Einzug in das Amt Bischofstein und rafft daselbst über 1700 Menschen hinweg.
1686
Bau der Rüdigershagener Kirche
1730
Zu dieser Zeit, bis zur französischen Herrschaft über das Eichsfeld, gibt es Ansätze blühender Industrie, so in Großbartloff, Birkungen, Worbis, Ershausen, Küllstedt,  Büttstedt, Duderstadt (Raschfabrikation, Verfertigung von Crepon, Färberei, Wollfabriken und Pulvermühlen in Worbis).
1756-1763
Der Siebenjährige Krieg schlägt durch die ungeheuren Brandschatzungen dem Eichsfeld neue schwere Wunden. Abermals ist das Land allen  Greueln des Krieges preisgegeben, so dass es z. B. nur an Kriegssteuern und an Brandschatzungsgeldern 1.159.532 Thl.bezahlen muß.
1802
Das Eichsfeld wird preußisch
1803
Die Klöster Gerade, Zella, Reifenstein und das Mattinsstift zu Heiligenstadt werden aufgehoben.
1815
Wiener Kongreß : Das Eichsfeld (auch Rüdigershagen) wird wieder königlich preußisch. Der preußische König Friedrich Wilhelm hat bereits in seinem Besitzergreifungspatent vom 21.06.1815  seine Herrschaft über Rüdigershagen bekannt gemacht. Das Dorf wird dem Kreis Worbis zugeordnet.
1830
Bau der Gemeindeschenke Rüdigershagen
1836
Bau der zweiten Schule in Rüdigershagen
1866
Durchzug der Hannoveraner; das Untereichsfeld wie das ganze Königreich Hannover wird mit dem Königreich Preußen vereinigt und ist somit wieder preußisch geworden.
1867
Eisenbahnbau im Eichsfeld (Halle-Kassel); Leinefelde proftiert vom Knotenbahnhof und entwickelt sich beschleunigt.
1872
Pflanzung der Friedenseiche im Unterdorf Rüdigershagen
1875
Bau des R. Gemeindebackhauses
1880
Niedergang der Handweberei und des Flachsanbaus. Zunahme der Wanderarbeiterbewegung und der Auswanderung.
1901
Die Kaliförderung wird für den Kreis Worbis bestimmend.
1901-1902
Bau der Neuen Schule in Rüdigershagen
1902
Fernsprechanschluß
1908
Wasserleitungsbau
1912-1913
Stromanschluß
1914
elektrische Straßenlaternen in Rüdigershagen
1914-1918
1. Weltkrieg. Das Eichsfeld bleibt von Kampfhandlungen verschont, hat aber dennoch zahlreiche Opfer zu beklagen.
1920-30
Kriegsfolgen, Inflation und Wirtschaftskrisen lassen die Zahl der Wanderarbeiter und Auswanderer im Eichsfeld enorm ansteigen.
1934-1935
Bau der Abwasserentsorgung in Rüdigershagen
1945
Das Eichsfeld liegt im Schnittpunkt der 3 Besatzungszonen. Amerikanische, englische und sowjetische Besatzungszonen berühren sich hier unmittelbar. Riesige Flüchtlings- und Heimkehrerzüge durchqueren das Eichsfeld. Das Obereichsfeld erlebt den Besatzungswechsel, als Thüringen gegen Westberlin ausgetauscht wird.
Im Nachgang bringt das Wanfrieder Abkommen einen weiteren Gebietsaustausch. Das Obereichsfeld gehört zur Sowjetischen Besatzungszone (Land Thüringen) und das Untereichsfeld zur englischen Besatzungszone (Land Niedersachsen). Die 1816 bzw. 1866 geschaffene Grenze trennt nun zwei Systeme und wird zur Staatsgrenze.
1970
Neuaushub des Gutsteiches
1984
Abriß des Gutswohnhauses
1993
Gasanschluß
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Auswanderungen nach Amerika

[Thüringen-Blätter zur Landeskunde, Erfurt 1994, "Peaks of immigration" J. Lee and R. Siemborski,
Eichsfeld, Auswanderung nach Amerika 1816-1891, Verlag Rockstuhl]

Das 19. Jahrhundert kann aus amerikanischer Sicht in 3 große Perioden der Emigration geteilt werden. Jede "Welle" ist geprägt von Einwanderungen aus verschiedenen Regionen Europas. Auswanderer

1820-1860  Großbritanien, Irland und (West)Deutschland
1860-1890  Großbritanien, Irland, Skandinavien, Deutschland
1890-1910  Österreich, Ungarn, Italien, Rußland

In dieser Zeit verließen ca 46 Millionen Menschen Europa, um in den USA ein neues und besseres Leben zu beginnen.Von den Auswanderern waren schätzungsweise 6 Millionen Deutsche. Eine große Welle aus Deutschland kam in den 1830er Jahren. Zwischen 1840 und 1850 rechnet man mit 4 Millionen deutschen Emigranten.

Mitte des 19. Jh. bestand Thüringen aus einem Großherzugtum, drei Herzogtümern, vier Fürstentümern, einem preußischen und einem kurhessischen Anteil. Es war daher ziemlich schwierig, Auswanderungen flächendeckend zu organisieren. Auswanderer brauchten sowohl eine Erlaubnis vom Landesherren, als auch eine Reisegenehmigung der örtlichen Behörde. Anlaufstelle für die Übersiedlung nach Amerika war für die meisten Thüringer die Stadt Bremen. Über die Flüsse Werra, Fulda und Weser konnte man Bremen innerhalb kürzester Zeit erreichen. Die Überfahrt von Bremen dauerte etwa 14 Tage.

Die Ursachen, warum die Menschen auswanderten waren vielfältig. Die Eichsfelder Landwirtschaft war nicht imstande, die Menschen zu ernähren. Erst mit der Einführung und Verbreitung der Hausindustrie und Handweberei ging es bis zum Ende des 18. Jahrhunderts aufwärts. Mit dem Niedergang der Textilindustrie ab 1790 blieb den Tausenden nur noch der Kampf um die eigene Existenz.Viele wanderten teils für mehrere Monate im Jahr hinaus in die Umgebung, auf die Rübenfelder der Magdeburger und Braunschweiger Gegend, zu Ziegelein und Zuckerfabriken oder zum mühsamen Hausieren mit Reff und Karren.
Ein großer Teil der Eichsfelder aber wanderte nach Amerika aus. Von 1830 bis 1891 waren es fast 1100 Personen (zum Vergleich: 1852 lebten 122590 Menschen im Eichsfeld !). Auswanderungen nach Nordamerika sind belegt aus Rüdigershagen, Treffurt, Wachstedt, Silberhausen, Beberstedt, Helmsdorf, Küllstedt, Büttstedt, Bieckenriede, Effelder, Struth, Faulungen, Diedorf, Wendehausen und Heyerode.

Auch in den Rüdigershagener Kirchenbüchern  findet man zwei Hinweise auf Emmigration. 1845 von Henriette Friederika Göhring und 1846 wanderte die gesamte Familie Johann Bernhard Rupprecht mit 2 Kindern nach Amerika aus. Hinweise auf andere Auswanderungen tauchen nicht auf.

15.04.1845  Henriette Friederika Göhring   *11.11.1820 [Kb Geborene  /1820] 

24.07.1846  Johann Bernhard Rupprecht      °°16.02.1840 [Kb Copulierte  4/1840]
            und  Maria Christina geb. Lauterbach (29) mit 2 Kindern : 
                 Carl Andreas Rupprecht         *16.04.1842  [Kb Geborene  12/1842]
                 Caroline Maria Cath. Rupprecht *13.11.1844  [Kb Geborene   4/1844]

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Die Hagen'schen Fickelhändler

[Doris Lauterbach, 1995]  

Um 1840 gab es hier allein 60 Fellhändler. Weiter wurde mit Pferden und Schweinen gehadelt. Im Jahre 1897 hatte Rüdigershagen durch die Schweinehändler den höchsten Betrag (7128 Mark) an Wandergewerbesteuer an den Kreis abzuführen. Der Ort brachte somit den vierten Teil der gesamten Kreissteuer auf. Unter den 133 Steuerpflichtigen des Ortes um die Jahrhundertwende waren allein 108 Handelsleute. Am 17.02.1900 wird der Verein "Vereinigte Viehhändler von Rüdigershagen und Umgebung" mit 88 Mitgliedern gegründet. Den Vorsitz führte Fritz Schnellhardt. Durch die Initiative des Viehhändlervereines hatte der Ort schon früh Telefon-, Wasser und Stromanschluß. Der älteste Schweinehändler, Karl Jaritz I. erhielt im November 1904 seinen 61. Hausiergewerbeschein.
Am 29.01.1927 beschloß der Verein eine Auto-Verkehrslinie Rüdigershagen-Mühlhausen und Rüdigershagen-Worbis ins Leben zu rufen. Am 15.05.1929 wird die Linie nach Mühlhausen in Betrieb genommen. Am 12.12.1929 nahm die Kraftpost ihren Betrieb auf.

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Der Gesangsverein von Rüdigershagen

Der Gesangsverein von Rüdigershagen

Das Foto stammt aus dem Jahre 1904

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Jüdische Gemeinde

[Kirchenchronik, "Stein und Name", Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland, 1991]

Die einzige jüdische Gemeinde des Kreises Worbis bestand in Rüdigershagen. Sie wohnten anfänglich auf der Schäferei (Karlstraße).
1843 zählte die Gemeinde 69 Mitglieder. Zwei Familien lebten vom "stehenden Kramhandel", sechs Familien waren "Handelsleute im Umherziehen" und drei Familien ernährten sich von Bettelei. In einem Bericht des Superintendenten von Mühlhausen vom 04.01.1847 heißt es , daß "5 jüdische Jungen und 5 jüdische Mädchen, die christliche Schule besuchen..." und daß sich in Rüdigershagen ein gottesdienstliches Versammlungshaus der Juden befindet. Das ehemalige Synagogengebäude befindet sich schon um 1850 in "sehr dürftigem Zustand".  1852 lebten noch 41 jüdische Bürger hier, es ist aber anzunehmen, daß die Juden um 1860 den Kreis Worbis verlassen haben.

Der jüdische Friedhof liegt am Nordhang des Ortes, zu erreichen von der Straße nach Hüpstedt, mitten im Wald. Eine Art Graben mit Kalksteinbruchstücken bildet eine Grenze, an der sich der Friedhof nach oben in Terassen gegliedert befindet. Er war nicht eingezäunt. Die letzte Beerdigung fand 1908 statt. 1925 bis 1930 existierten noch drei gepflegte Gräber. Anfang November 1989 wurden acht Grabsteine bzw. Bruchstücke davon gefunden, die sich bereits unter einer Humusschicht befanden.

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Die Obermühle

Die Obermühle, südwestlich von Niederorschel gelegen, ist ein Überbleibsel von Rypprechterode, welches bereits 1368 eine Wüstung war.

Nach Angaben des Jurisdiktionalbuches werden im Jahr 1673 bereits zwei Mahlgänge mit zwei oberschlächtigen Wasserrädern in der Ripperöder Mühle erwähnt. Sie gehörte als Enklave unter Kurbraunschweig-Lüneburger Hoheit und wurde 1815 an Preußen abgetreten und zahlte die Klassensteuer bis 1871 nach dem hannoverschen Dorf Rüdigershagen.



Homepage Arbeitskreis Eichsfeld des AMF :  http://www.syndicat.com/amf-ake/
Eichsfelder Schulserver : Eichsfeldprojekt Rüdigershagen