§ 16 Wie der Teufel anno 1712 sein Wesen in Rüdigershagen getrieben hat

Anno 1712 am 21. Januar erschien der Pastor Kuno Friedrich Köhler vor dem hiesigen Gerichtsactuarius Georg Gebhard und brachte vor, daß ein hießiger Einwohner Hans Cyriax Lauterbach mit dem Teufel ein Bündniß gemacht hat. Der aufgerufene Zeuge Christoph Toeppe sagte aus, daß der Satan bei C. Lauterbach im Gefängnis gewesen und ihm einen Trunk Wasser gereicht. Als nun Cyriax Lauterbach selbst befragt wurde, gestand er, mit dem Teufel wirklich ein Bündinß gemacht zu haben. Derselbe sei zu ihm gekommen, da er im Gefängnis gesessen und hätte ihm einen Trunk Wasser gereicht. Drauf hätte sich Lauterbach dem Teufel verschrieben im Leben und im Tode, der Teufel hätte eine Feder gebracht, sich in den Finger gestochen, den Contrackt mit Blute unterschrieben und die Verschreibung zu sich genommen. Er, Lauterbach, hätte die Abschrift mit seinem Blute unterzeichnet und mit zu Hause genommen. Weiterhin sagte L. aus: der Teufel sei ihm im Garten und im Stall beim Pferdefüttern abermals erschienen und Lauterbachs Frau bezeugte, daß der Teufel aussehe wie ein Mensch, große Augen und einen Kuhfuß habe, daß ihr Mann den Contrackt auf 6 Jahre unterzeichnet und das der Teufel oft mit Rath und Trost zu ihm komme, und als sie einst gezweifelt, daß der Teufel mit ihrem Mann im Bunde sei, habe derselbe aus dem Fenster heraus gerufen: Komm Teufel, hole mich, wenn es nicht wahr ist. Bei näherer Untersuchung ergab sich, daß Hans Cyriax Lauterbach schon seit mehreren Jahren nicht ins Gotteshaus und zum heiligen Abendmahl gegangen sei, sei Eheweib oft geprügelt habe, weshalb ihn der Herr vom Hagen einstecken ließ und außerdem sehr oft betrunken und davon ganz schwermüthig gewesen sei. Die hiesigen Gerichte schickten die Acten an die Univerität Halberstadt und es wurde erkannt, das Cyriax Lauterbach nicht vom Teufel besessen sei, sondern nur sehr an der Melancholie leide und deshalb freizusprechen, aber in die Kosten zu verurteilen sei. Solches Urtheil erfolgte am 5. Februar und am 10. März 1712 und sind die Prozeßacten im Pfarrarchiv Rüdigershagen zu finden.

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